Zietta - Tantchen

Als ich aus dem Hausflur ins Vorzimmer trat, war Gundi schon da. Sie blickte von der Zeitung auf und wies mit dem Kopf auf mein Büro. „Da sitzt eine Dame, Bert. Sie will dich sprechen.“

Eine kleine, bedeutungsvolle Pause. Und dann fügte sie hinzu: „Viel Spaß!“

Gundi erledigt die Büroarbeit. Sie arbeitet halbtags, denn eine Ganztagskraft kann ich mir gar nicht leisten. Aber sie ist unverzichtbar für meine Arbeit. Sie bringt morgens die Zeitung mit, kocht Kaffee und besorgt Kleinigkeiten zum Frühstück. Natürlich geht sie auch ans Telefon, wenn jemand anruft und sie stellt die Rechnungen aus, sofern es welche auszustellen gibt.

„Wieso dieses viel Spaß, Gundi?“, wollte ich wissen.

„Das finde selbst heraus, Bert.“

Sie drehte sich um und warf die Kaffeemaschine an.

Ich ging in mein Büro. Vor meinem Schreibtisch, mit dem Rücken zu mir, saß eine junge Dame. Ich registrierte lange, schwarze, leicht gewellte Haare, ein dunkelrotes, erstklassig sitzendes Kostüm und hochhackige Pumps in passender Farbe, soweit ich es aus dieser Perspektive erkennen konnte. Auf der rechten Seite meines Schreibtisches stand, natürlich ebenfalls in passender Farbe, eine Handtasche, die sehr teuer ausschaute.

Alles, was sich da vor meinem Schreibtisch versammelt hatte, sah teuer aus.

Die junge Dame drehte sich um und sah mir forschend ins Gesicht. „Sie sind Bertholf Kleines?“

Ich blickte in ein schmales, perfekt geschminktes Gesicht, mit bemerkenswerten Augen. Ja, wie soll ich die Augen beschreiben? Schwarz? Pechschwarz? Unergründlich schwarz? Auf jeden Fall waren die Haarfarbe und die Farbe der Augen ebenfalls perfekt aufeinander abgestimmt.

„Ja, der bin ich persönlich. Bertholf Kleines. Bertholf. Mit f hinten und nicht mit d. Aber meine Freunde sagen Berti zu mir.“

Sie reichte mir die Hand, blieb dabei sitzen. Ihr Rock war weit über die Knie gerutscht, sie hatte die Beine elegant zusammengepresst und zur Seite gekippt. Sie saß so da, wie man es in der Schule für Vorstandssekretärinnen von den Lehrgangsteilnehmerinnen erwartet. Obwohl sie saß, erkannte ich, dass sie (darin bin ich Fachmann) ein sehenswertes Fahrgestell besaß. Ihre Strümpfe, ich hätte wetten können, dass sie Strümpfe mit Straps und keine Strumpfhose trug, schimmerten perlfarben im Licht der beiden Neonröhren, die Gundi eingeschaltet hatte. Es regnete draußen in Strömen und durch das Fenster, ein Nordfenster mit Bäumen davor, fiel praktisch kein Licht in mein kleines, karges Büro.

Ich ergriff ihre Rechte und schüttelte sie vorsichtig. Ihre Hand war schmal, auf jedem Finger steckte ein Ring und die Fingernägel waren mindestens fünf Zentimeter lang, leicht gekrümmt und sie besaß sicherlich einen Waffenschein dafür. Deren Farbe wollen Sie wissen? Die war selbstverständlich passend zum Kostüm, zu den Schuhen und der Handtasche. Ihr Händedruck war kühl und überraschend fest.

„Angenehm, Herr Kleines“, sagte sie. Ihre Stimme war tief und besaß einen Klang, bei dem sich meine Härchen auf den Unterarmen aufstellten. „Hätten Sie etwas Zeit für mich, Herr Kleines?“

Ich ging um den Schreibtisch herum und rutschte in meinen grauen Ledersessel. Beide Möbelstücke hatte ich aus dem Fundus der Bundeswehr ersteigert.

Dann setzte ich mein bestes Lächeln auf. „Selbstverständlich habe ich Zeit für Sie. Es ist meine Aufgabe, dass ich Zeit für meine Klienten habe. Damit verdiene ich mein Geld. Und mit wem habe ich die Ehre?“

„Oh, entschuldigen Sie bitte, Herr Kleines.“ Tatsächlich überzog eine leichte, flüchtige Röte ihr Gesicht.

„Ich heiße Lucretia Maria Trinci-Marenzi.“

Mir war sofort ein leichter Akzent aufgefallen. Jetzt war mir klar, die Dame war Italienerin. Ich sage bewusst nicht mehr „junge Dame“. Von hinten hatte ich sie auf Ende zwanzig geschätzt, aber jetzt stellte ich bei dem ungünstigen Licht der Neonröhren fest, dass sie älter war. Sie musste Ende dreißig sein. Doch was ich da vor mir sah, war das beste Exemplar einer Dame, das ich jemals in dieser Altersklasse vor mir sitzen gehabt hatte. Sie war eine Wucht! Ihre Kostümjacke war geöffnet und mein Blick fiel auf eine schwarze Seidenbluse, die, je nach Lichteinfall, regenbogenfarbig schimmerte. Die beiden obersten Knöpfe der Bluse waren geöffnete. Sie gaben den Blick frei auf ein tiefes Tal zwischen ihren beiden, in schwarze Spitze gezwängten Hausberge (ein besseres Wort fällt mir nicht ein), gegen die der Watzmann auf dem Kalender neben der Tür nur wie ein Hügelchen wirkte.

„Sind Sie zufrieden, mit dem was Sie sehen?“, fragte sie fröhlich.

Ich räusperte mich. „Eh, ja. Also Frau …“

Sie half mir: „Lucretia Maria Trinci-Marenzi.“

„Also Frau Trinci-Marenzi. Was kann ich für Sie tun?“

„Sprechen Sie Italienisch?“

Un pocino, Signora.“ Ein bisschen war leicht untertrieben. Mein Italienisch ist recht passabel.

Eccellente.“ Sie wechselte wieder ins Deutsche, was mir durchaus recht war. „Ich möchte Ihnen einen Auftrag erteilen. Ich hoffe, Sie können ihn noch in Ihren Terminen unterbringen.“

Ich hätte sie umarmen können. Unterbringen in meinen Terminen! Seit zehn Tagen hatte ich nichts mehr zu tun und ich machte mir wirklich Sorgen, ob ich Gundi am Monatsende ihr Gehalt überweisen konnte.

„Sicherlich werde ich mir die Zeit für Sie nehmen können“, erklärte ich. „Aber zuerst benötige ich ein paar persönliche Angaben von Ihnen. Wenn es Ihnen recht ist.“

Sie nickte und ihre Ohrringe klimperten leise.

Ich zog das Formular „Vertrag über Dienstleistungen durch eine Privatdetektei“ aus der Schublade und trug ihren Namen ein. „Geburtsdatum?“, fragte ich. Das hätte ich besser bleiben lassen sollen.

Sie funkelte mich an. „Das meinen Sie doch nicht ernst! Man fragt eine Dame nicht nach dem Alter.“

Ich entschuldigte mich und dachte dabei an ihre Fingernägel. „Scusa! Ist auch nicht so wichtig.“ Die restlichen Angaben, Wohnort, Telefon, Mail-Adresse und so weiter bekam ich anstandslos.

„Wir sind ja fast Nachbarn“, stellte ich fest. Sie wohnen nur eine Straße weiter. Dort liegt doch dieses extrem teure italienische Restaurant. Das … wie heißt es noch?“

Caruso“, sagte sie. „Es ist das Caruso und es gehört mir. Waren Sie schon mal bei uns?“

„Nein“, antwortete ich wahrheitsgemäß. „Es ist so schwer, bei Ihnen einen Tisch zu bekommen.“

Das war untertrieben. Für jemanden wie Sie und mich ist es unmöglich, einen Tisch dort reserviert zu bekommen. Es sei denn, man hat ein „von“ vor seinem Namen, ist ein Freund eines bekannten, ehemaligen Münchner Fußballstars, der jetzt in Kitzbühel wohnt und sich als weltweiter Botschafter des Fußballs engagiert. Oder man kennt jemandem aus der Staatskanzlei, hat mit dem Oberbürgermeister dort gespeist oder …

Wenn ich dort anrufe und ernsthaft sage: „Hier ist Bertholf Kleines. Ich hätte gerne am Donnerstag nächster Woche einen Tisch für vier Personen“, höre ich erst einmal gar nichts. Dann raschelt Papier und jemand hustet leise.

„Waren Sie schon mal bei uns, mein Herr?“, ist dann die Frage, die unweigerlich folgt. Wenn Sie sich jetzt nicht auf ein Filmsternchen, einen Ministerialdirigenten, einen Vorstandsvorsitzenden oder auf den besagten Ex-Fußballer berufen können, ist die Sache gelaufen.

„Wir sind leider ausgebucht, Signore Kleines. Mi dispiace! Rufen Sie bitte in einem halben Jahr noch einmal an. Buonasera!”

Und wenn ich den Tisch bekommen hätte: Keine Vorspeise unter vierzig Euro, Hauptgerichte kosten mindestens zweihundert, der Espresso fünfzehn und die billigste Flasche Hauswein einhundertfünfzig Europataler. Das multipliziert mit vier und ich wäre für den Rest des Quartals ruiniert.

Sie lachte. Es klang wie ein Glöckchen unterm Tannenbaum. „Wenn wir uns einig werden, Herr Kleines, dann bekommen Sie einen Tisch. Mit mir zusammen immer. Ich mag es, mit gutaussehenden Männern zu dinieren.“

Das ging mir runter wie Olivenöl. Okay, ich sehe nicht schlecht aus. Einsneunundachtzig groß, neunzig Kilogramm und kein Gramm Fett am Körper. Ich erteile fünfmal in der Woche Kampfsportunterricht und den schwarzen Gürtel bekommt man nicht, ohne richtig fit zu sein.

Die kleine, kahle Stelle am Hinterkopf – das beginnende Alter eben – konnte sie von vorne ja nicht sehen.

„Danke, Frau Trinci-Marenzi. Ich werde auf Ihr Angebot zurückkommen. Aber jetzt müssen Sie mir sagen, was ich für Sie tun kann.“

Lucretia Maria Trinci-Marenzi saß erst seit zehn Minuten in meinem Büro und schon hatte sie mich um ihren Finger gewickelt, ohne dass ich es bemerkte. Ich hatte von Anfang an überhaupt keine Chance!

„Sie müssen meinen Neffen, Enrico, suchen. Er ist der Sohn meines verstorbenen Bruders und seit dessen Tod wohnt er bei mir. Er studiert Betriebswirtschaft hier in Regensburg und soll später einmal das Restaurant übernehmen.

„Aha.“ Ich machte mir Notizen. „Haben Sie ein Bild von ihm?“

„Ich habe alles dabei.“ Sie öffnete ihre Handtasche, griff blind hinein und zog die Unterlagen heraus. „Hier ist ein Bild. Die Kopie seiner Immatrikulationsbescheinigung und eine Kopie seines Reisepasses.“

Jede andere Frau hätte erst einmal in ihrer Handtasche gesucht, den Lippenstift und weitere Kosmetikartikel, Papiertaschentücher und … herausgezogen, um dann die Papiere zu finden. Bei ihr genügte ein Griff und das Gesuchte war da.

Das Bild zeigte einen jungen, schlanken, schwarzgelockten Italiener, der hinter einer Bar stand und freundlich in die Kamera lächelte.

„Ich behalte das Bild vorläufig. Ist Ihnen das recht?“

Sie nickte. „Ich habe es extra für Sie kopieren lassen.“

Ich schaute mir die Unterlagen an. Enrico Marenzi war dreiundzwanzig und studierte im vierten Semester Wirtschaftswissenschaften an der Universität Regensburg. Laut Reisepass war er einssiebensiebzig groß, besaß schwarze Augen und war in Pozzuoli, Kampanien, geboren.

„Wo liegt dieses Pozzuoli?“, wollte ich wissen.

„Das liegt am Golf von Neapel. Von dort legen die Fähren nach Ischia und Capri ab.“

„Aha. Wann haben Sie Ihren Neffen zum letzten Mal gesehen?“

Lucretia zog einen kleinen, in rotes Leder gebundenen Kalender aus der Handtasche und schlug ihn auf. „Er ist heute vor vier Wochen mit dem Auto nach Italien gefahren. Seine Großmutter mütterlicherseits war gestorben und er musste zu ihrer Beerdigung. Eine Woche wollte er bleiben. Das Semester begann bereits wieder und er nimmt sein Studium sehr ernst. Seit drei Wochen gibt es kein Lebenszeichen von ihm. Er antwortet auf keine Mail und sein Handy hat er wohl ausgeschaltet. Niemand weiß, wo er geblieben ist. Sie müssen mir helfen, Herr Kleines“, bat sie, zog ein weißes, besticktes Taschentuch, natürlich mit Perlmuttschimmer, aus der Tasche und tupfte sich die Augenwinkel ab. „Bitte! Egal, was es kostet.“

Damit war der Auftrag angenommen.

Ich überschlug im Kopf meine Kostentabelle und führte ein Update durch. „Ich bekomme sechshundertdreißig Euro am Tag, plus Steuer macht das siebenhundertfünfzig. Im Ausland kommen fünfhundert pro Tag dazu. Sie tragen alle meine Spesen, die ich durch Rechnungen nachweisen kann. Das Auto kostet fünfzig Eurocent pro Kilometer. Keine versteckten sonstigen Kosten.“

Das ließ ich sie erst einmal schlucken. Über Rabatte konnte man immer noch reden.

Sie atmete tief ein und aus. „Ich bin so froh, dass Sie den Auftrag annehmen, Herr Kleines. Da fällt mir ein Stein vom Herzen. Grazie!

Sie legte ihre Hand auf meine und drückte sie. Dann zog sie (mit einem Griff) einen Umschlag aus ihrer Handtasche und gab ihn mir. „Hier sind zehntausend als Anzahlung. Ich hoffe, das reicht fürs Erste.“

Ich nickte und ließ den Umschlag in der Schublade verschwinden.

Sie erhob sich. „Wir sehen uns heute Abend im Caruso. Ich lade Sie zum Essen ein und wir werden Weiteres besprechen. Um acht Uhr, wenn es Ihnen passt.“

Es passte mir.

Ich bekam erneut einen kühlen, festen Händedruck und sie stöckelte hinaus. Ihr Hinterteil war erstklassig und, als sie auf ihren zehn Zentimeter hohen Stilettos hinausschwebte, führte ihre Rückseite, das kann ich beschwören, ein sensationelles Eigenleben. Mamma mia, was für eine Frau!

Zurück blieb ein sanfter, damenhafter Duft. Später, als alles vorbei war, hatte ich den Duft noch lange in der Nase.

Ich ging ins Vorzimmer. Gundi sah mich mit gerunzelter Stirn an. „Deine Augen glupschen raus. Zieh sie wieder ein, sonst meine ich noch, du schaust mir in den Ausschnitt.“

Das holte mich in die Wirklichkeit zurück. Ich warf ihr den Briefumschlag auf den Schreibtisch. „Wir haben einen Auftrag. Hier sind zehntausend. Zahle sie aufs Konto ein und bringe morgen eine Flasche Prosecco mit.“

„Tue ich glatt“, war die Antwort meines Vorzimmerdrachens. Gundi war fünfzig, schleppte neunzig Kilo Body-Building-Muskeln mit sich rum und besaß einen leichten Damenbart. Sie war absolut zuverlässig und eine Seele von Mensch, sofern sie einen mochte.

Um Punkt acht betrat ich das Caruso. Ich hatte mich in meinen einzigen Anzug gezwängt, trug mein Sonntags-Nachmittags-Ausgeh-Poloshirt, das mit dem aufgenähten Krokodil, war frisch rasiert und hatte sogar meine Schuhe geputzt.

Das Lokal liegt sehr versteckt in einer der kleinen Gassen hinter der Weinlände, einer Straße, die entlang der Donau verläuft. Die meisten Regensburger werden das Caruso gar nicht kennen. Man läuft daran vorbei, ohne es zu bemerken. Keine Reklameschrift über dem Eingang, keine Speisekarte an der Hausmauer. Nur eine wuchtige, alte Holztür, die tief in einer mächtigen Hauswand verbaut ist. Seitlich, an der Mauer, ist ein kleines Aluminiumschild angebracht. Darauf steht:

Ristorante Caruso

Inh. L. M. Trinci-Marenzi.

Öffnungszeiten nach tel. Vereinbarung

Sonst nichts.

Ein Bediensteter, Typ schreitender Smoking, Kellner wage ich ihn nicht zu nennen, erschien. Er betrachtete mich von oben bis unten und ich könnte wetten, dass er sofort sah, dass ich meinen Anzug bei der Galeria Kaufhof von der Stange gekauft hatte.

„Dürfte ich Ihren Namen wissen, werter Herr?“ Sein italienischer Akzent war unüberhörbar.

„Kleines. Bertholf Kleines.“

Daraufhin klappte er zusammen zu einer tiefen Verbeugung. „Seien Sie willkommen im Ristorante Caruso. Signora Trinci-Marenzi erwartet Sie bereits. Wenn Sie mir bitte folgen würden, Signore Kleines.“

Er schritt (nicht ging) voran und ich folgte ihm.

Im Vorbeigehen zählte ich zehn Tische für jeweils vier Personen. Sie waren mit weißen Damast-Tischdecken und passenden Servietten gedeckt. Die geschliffenen Gläser und das Silberbesteck waren bestimmt nicht im Gastro-Bedarf gekauft worden.

„Nicht viel los“, bemerkte ich.

„Die Herrschaften kommen immer erst gegen einundzwanzig Uhr“, gab der schreitende Smoking zu bedenken.

Die Ausstattung des Lokals war schlicht. In den Ecken standen Amphoren, die von winzigen LEDs angeleuchtet wurden. Es gab keine Fischernetze an der Decke, keine bauchigen Weinflaschen, keine kitschigen Wandmalereien. Leise Musik durchfloss den Raum und das indirekte Licht ließ eine private, fast intime Stimmung aufkommen.

Lucretia Maria Trinci-Marenzi saß in einer Nische, die durch eine Mauer vom Rest des Lokals abgetrennt war. Dort hatte man einen Tisch für zwei Personen mit Kristall und Silber gedeckt, Kerzen brannten und in einer Vase standen drei gelbe Rosen. Farblich passend zum Kostüm. Sie hatte ihre Kleidung gewechselt und trug nun Gelb. Die Bluse war weiß und über diese huschte ein leichter Schimmer, als sie mir ihre Hand entgegenstreckte. Natürlich waren die beiden oberen Knöpfe geöffnet, selbstverständlich trug sie darunter weiße Spitze und, Sie werden es vermuten, mir fielen beinahe meine Augen in ihr Dekolletee. Und dieses Parfüm dazu, das brachte mich fast um den Verstand. Ich musste schlucken und krampfhaft meine Augen von dem lösen, was sie mir da entgegenstreckte.

„Guten Abend, Frau Trinci-Marenzi“, sagte ich, „für die Einladung möchte ich …“

„Nennen Sie mich doch einfach Lucretia. Und ich sage Bert zu Ihnen, wenn es Ihnen recht ist.“

Es war mir recht.

An die Speisenfolge kann ich mich nicht mehr wirklich erinnern. Essen und Getränke waren erstklassig und es dauerte bis nach dreiundzwanzig Uhr, bis wir den Espresso und einen weichen, vollmundigen Brandy serviert bekamen.

Ich lehnte mich zurück. „Und jetzt müssen Sie mir mehr über Ihren Neffen erzählen, Lucretia.“ Irgendwann mussten wir ja zum Geschäftlichen kommen.

„Er nennt mich Zietta und ich ihn Rico.“

Zietta?“

Sie lachte. „Das heißt auf Deutsch soviel wie …“, Lucretia überlegte, „wie Tantchen. Zietta ist der italienische Kosename für Zia. Für Tante.“

„Aha. Und er wohnt bei Ihnen in der Wohnung?“

„Nicht direkt. Oben …“, sie blickte zur Decke, „gibt es ein größeres Apartment und ein kleineres. Er bewohnt das kleinere. Zumeist ist er aber bei seiner Freundin und bleibt dort über Nacht.“

„Ich brauche den Namen und die Adresse der Freundin.“

Sie zog einen Zettel aus ihrer Handtasche (ohne suchen zu müssen) und reichte ihn mir.

Eine Nathalie Soundso aus Burgweinting. Adresse, Telefon- und Handynummer waren vorhanden. Ich nahm mir vor, am nächsten Tag bei ihr vorbeizuschauen.

„Gehen wir noch ein Stück spazieren. So als Verdauungsspaziergang. So heißt das doch auf Deutsch. Oder?“

Ich half ihr in den Pelzmantel und wir liefen los. Ich weiß nicht, wie sie es schaffte, auf dem holprigen Kopfsteinpflaster mit ihren Pumps zu laufen. Wahrscheinlich schwebte sie, obwohl das deutlich Klack-Klack ihrer Absätze das Gegenteil vermuten ließ.

Lucretia hakte sich bei mir unter und flüsterte: „Der Wein ist mir zu Kopf gestiegen.“ Wie zufällig drückte sie meinen Arm, während sie mit mir redete und zu mir hinaufschaute (trotz der Stilettos war sie einen Kopf kleiner als ich), gegen ihre weichen, von Spitzen gezähmten Rundungen.

Glauben Sie mir, das ist eine der besten Arten spazieren zu gehen.

„Wir fahren mit dem Zug nach Neapel und dort leihen wir uns ein Auto“, erklärte sie.

„Mit dem Zug? Warum fliegen wir nicht?“

„Ich fliege nie. Die Dinger da oben sind mir zu unsicher. Sie fallen immer runter. Ich fliege NIE!“

Damit war das Thema erledigt.

„Wir können auch mit dem Auto fahren, Lucretia.“

„Bert, das ist viel zu unbequem. Wir fahren nach München, steigen um in den Nachtzug. Ich habe für uns ein Schlafwagenabteil reserviert. Man hat zwei Betten und ein Bagno mit Dusche. Wir trinken Vino und schlafen die ganze Nacht. Am Morgen, gegen neun Uhr dreißig, steigen wir ausgeruht in Napoli Centrale aus, lassen uns zum Hotel bringen und dorthin bekommen wir den Leihwagen geliefert. Das ist viel praktischer.“

Mit Lucretia eine Nacht in einem Schlafwagenabteil zu verbringen erschien mir doch sehr reizvoll und so sah ich sofort ein, dass die lange Autofahrt wirklich zu unbequem sein würde.

„Gut, Lucretia. Sie sind meine Klientin und Sie bestimmen. Fahren wir also mit dem Zug.“

Bei unserem lebhaften Gespräch machte mein Arm immer wieder intensive Bekanntschaft mit ihren Hausbergen, was mir wirklich nicht unangenehm war.

Wir hatten den Arnulfsplatz erreicht, schlenderten am Theater vorbei und bogen in die Gesandtenstraße ein. Um die Zeit, es war kurz vor Mitternacht, war dort nicht besonders viel los. Lucretia lehnte ihren Kopf an meine Schulter und massierte meinen Arm noch intensiver mit ihren Hügeln. Der Neupfarrplatz war ungewohnt unbelebt und in der Residenzstraße trafen wir nur ein anderes Pärchen, das uns entgegenkam und ganz verliebt tat.

Am Domplatz standen zwei Taxis, auf die Lucretia zusteuerte.

„Ich bin müde“, sagte sie. „Lass mich dir einen Kuss geben, Bert.“

Das Du kam wie selbstverständlich von ihren Lippen, mit denen sie mir dann einen Kuss auf die Wange hauchte.

„Danke für den schönen Abend“, flüsterte sie. „Ich freue mich schon auf die Zugreise.“

Sie öffnete die Fahrertür des ersten Taxis, beugte sich hinein und steckte dem Fahrer etwas zu. „Bringen Sie bitte den Herrn nach Hause. Der Rest ist für Sie.“

Ciao, Bello“, sagte sie, blickte mir noch einmal tief in die Augen, stieg elegant ins zweite Taxi und war verschwunden, noch ehe mein Taxifahrer seinen müden Diesel gestartet hatte. Der fuhr mich wortlos nach Harting, ließ mich wortlos aussteigen und dieselte davon.

Ich wohne bei meinem Bruder im Haus. Unter dem Dach reichen mir fünfundvierzig Quadratmeter: eine Wohnküche, ein winziges Schlafzimmer und ein noch kleineres Bad. Aber ich habe einen eigenen Eingang. Darauf lege ich großen Wert, denn mein Bruder muss es ja nicht immer sofort mitbekommen, wenn ich gelegentlich Besuch mitbringe.

Lucretia, das war mir klar, konnte ich auf keinen Fall zu einem Besuch einladen.

Am nächsten Morgen erreichte ich Nathalie unter ihrer Festnetznummer. Sie klang verschlafen und überlegte einen Moment, bis sie meinem Besuch zustimmte.

„Aber bitte erst in einer Stunde“, sagte sie etwas zögerlich. „Ich bin gerade erst aufgestanden.“

Sie wohnte in einem der neuen, sterilen Wohnblocks in diesem neuen, sterilen Stadtteil südlich der Autobahn. Sechs Parteien im Haus, Tiefgarage, zwei winzige Rasenstücke und die beiden obligatorischen Bäume, Kugelahorn, vor dem Haus.

Das Mädchen war eine zierliche, langhaarige Blondine mit einem klaren Gesicht und strahlend blauen Augen. Sie war wirklich ein hübsches Kind.

Enrico und sie kannten sich seit einem Jahr. Sie hatten sich an der Uni kennengelernt. Nein, sie war keine Studentin, sie arbeitete in der Bibliothek. Sie wusste, dass er wegen einer Beerdigung nach Italien fahren wollte und dass er vorhatte, nicht länger als eine Woche zu bleiben. Seit drei Wochen wartete sie auf einen Anruf, eine SMS oder eine Mail. Ihre Anrufe gingen nicht durch. Wahrscheinlich war sein Handy defekt. Sie machte sich große Sorgen um ihn. Außerdem musste sie alles mit dem Bus erledigen, denn sie besaß keinen Führerschein. Enrico hatte sie immer mit seinem Wagen gefahren, wenn sie etwas zu erledigen hatte.

Als ich ging, saß sie mit untergeschlagenen Beinen auf dem Sofa und weinte. Sie tat mir leid. Am Nachmittag rief ich sie noch einmal an, weil ich etwas vergessen hatte. Die Auskunft, die sie mir gab, war sehr interessant für mich.

Am folgenden Tag, kurz vor neunzehn Uhr, saßen Lucretia und ich in der ersten Klasse des Regionalexpresses nach München. Heute trug sie Jeans, einen leichten Kaschmirpullover, blaue Pumps und eine schlichte Lederjacke. Ihr Gepäck bestand aus einem riesigen Rimowa-Trolley, einem Aktenkoffer der gleichen Firma und einer Handtasche der Marke Hermès Kelly Bag. Es war eine Sonderanfertigung in der Farbe Jeansblau.

Um einundzwanzig Uhr machten wir es uns in unserem Schlafwagenabteil bequem und es lag eine lange Nacht vor uns. Der Zug sollte Napoli Centrale, den Hauptbahnhof von Neapel, am nächsten Morgen gegen zehn Uhr erreichen.

Wir gingen in den Restaurantwagen und nahmen ein leichtes Abendessen ein. Lucretia bestellte eine Auswahl an Getränken in unser Abteil und, als wir zurückkamen, waren die beiden Sitzbänke zu Betten verwandelt und bezogen worden. Die Getränke befanden sich in dem kleinen Kühlschrank unter meinem Bett. Im Bad lagen frische Handtücher und diverse Toilettenartikel.

„Mach den Champagner auf, während ich kurz ins Bad gehe“, flötete Lucretia und verschwand. Die Tür schloss sie nicht ab.

Im stilvollen Öffnen von Champagnerflaschen besitze ich ein Diplom.

Lucretia erschien in einem langen, weißen Nichts, das alles zeigte und nichts verhüllte. Ich möchte nicht indiskret sein, liebe Leser, darum sehe ich von einer präzisen Beschreibung ab. Ich kann Ihnen bloß eines sagen: Ihnen wären die Augen aus dem Kopf gefallen!

„Prost“, sagte sie und unsere Gläser stießen mit einem leisen Klirren aneinander. Wir tranken einen Schluck, dann meinte sie: „Warum gehst du nicht auch ins Bad, bevor wir die Flasche leeren?“ Dabei strahlte sie mich an und drückte ihre beiden Hügel gegen mich.

Ich gab Vollgas und hüpfte unter die Dusche. Man soll eine Dame nicht warten lassen.

Zwei Stunden später, ihre Kondition war deutlich besser als die meinige, lagen wir auf dem schmalen Bett und sie hatte ein Bein quer über meinen Unterleib gelegt. Wir waren nur mit unseren Champagnergläsern bekleidet.

„Wie bist du eigentlich Privatdetektiv geworden?“, fragte sie. „Du hast doch sicherlich vorher etwas anderes gemacht.“

Jetzt musste ich meine Story erzählen. Von der Abiturklasse, in die Gregor und ich gemeinsam gingen. Von unserer rivalisierenden Liebe zu Judith, dem schönsten Mädchen der Klasse. Und dass ich das Wettwerben verlor. Judith nahm den Gregor, weil er aus reichem Elternhaus kam, sein Vater war ein bekannter Rechtsanwalt, und zur Abiturfeier mit seinem Porsche vorfuhr, während ich mit Bus und Rad unterwegs war. Später studierten sie zusammen Jura in Regensburg, während ich zur Polizei ging. Ich hatte einfach keine Chance gegen Gregor.

Zehn Jahre später, ich war Oberkommissar bei den Uniformierten, wurde ich mit einer Kollegin an Heiligabend zu einem Familienstreit gerufen. Gregor war in der Mitte sehr füllig geworden, hatte das Studium abgebrochen und lebte vom Geld seiner Eltern. Judith war dreifache Mutter und durfte nicht als Rechtsanwältin arbeiten, weil Gregor ihr das schlichtweg verbot.

Ich erkannte sie zuerst kaum wieder. Ihr Gesicht war verquollen, Blut lief aus ihrer Nase, ihre strähnigen Haare waren kurz geschnitten und ihre Figur war beim Teufel. In der Ecke des Wohnzimmers saßen die drei Kinder. Die Älteste, sie war sieben, sagte unter Schluchzen, als sie mich und meine Kollegin in Uniform sah: „Papi schlägt immer die Mama, wenn er getrunken hat.“

„Ich werde dich mitnehmen müssen, Gregor.“ Mit diesen Worten begrüßte ich ihn.

Als er mich erkannte, sagte er das, was er hätte besser nicht sagen sollen: „Verpiss dich, du Loser!“

Ich bat meine Kollegin, Judith und die Kinder hinauszubringen. Als wir alleine waren, verprügelte ich Gregor nach allen Regeln der Kunst. Er lag drei Tage im Krankenhaus, ich bekam ein Jahr auf Bewährung, wurde entlassen und meine ganzen Ersparnisse gingen drauf.

„So war es gewesen.“ Mit diesen Worten beendete ich meine Geschichte.

„Und du hast ihn so richtig bastonare? So heißt verprügeln auf Italienisch.“

Ich nickte. Meine Hand strich dabei langsam ihren Rücken rauf und runter.

Sie erbebte leicht. „Du musstest doch wissen, dass man dich verurteilt und entlässt.“

Lucretia richtete ihren Oberkörper auf und ihre Rundungen schaukelten vor meinem Gesicht hin und her. Sie können mir glauben, das war ganz großes Kino!

„Ich wusste es. Aber es war mir in diesem Moment egal.“

„Du bist ein Eroe, ein Held“, flüsterte sie. „Helden müssen belohnt werden.“

Sie belohnte mich noch dreimal, ehe wir in Napoli Centrale einliefen.

In Deutschland herrschte herbstliches Dreckwetter. Neapel empfing uns mit Sonnenschein und angenehmen zwanzig Grad. Ein Taxi brachte uns ins Grand Hotel Vesuvio, das direkt unten am Hafen liegt. Ich bekam ein Zimmer im vierten Stock und dann erfuhr ich, dass Lucretia bei ihren Verwandten wohnen würde und ich alleine nach Enrico suchten sollte.

„Hier sind die Unterlagen, die du benötigst. Die Adresse seiner Großeltern, seine Lieblingsbar in Pozzuoli, Name und die Telefonnummer seines besten Freundes. Rufe mich jeden Abend gegen neunzehn Uhr an zum Resoconto“, flötete sie und entschwand.

„Gut, Lucretia!“, rief ich ihr nach. „Der Resoconto, der Bericht, kommt pünktlich abends um sieben.“

Nach einer Dusche legte ich mich aufs Ohr. Eine Stunde später klingelte das Telefon. Es war die Rezeption. „Signore, Ihr Auto ist da.“

Der Mann von AVIS übergab mir die Papiere für einen Fiat, ließ mich eine paar Formulare unterschreiben und verschwand. Der dunkelblaue Punto stand in der Tiefgarage. Der Wagen war für deutsche Verhältnisse klein und untermotorisiert, aber gut geeignet für den chaotischen Verkehr in Neapel. Wie ich schnell feststellte, gab es Tausende von blauen Puntos. Leider fiel er durch seine Kennzeichenhalterungen als Leihwagen auf.

Als es Abend wurde, ging ich spazieren. In einer dunklen Ecke des Hafens standen in einem abgesperrten Bereich Wagen, die so ausschauten, als parkten sie dort schon länger. Sie waren bedeckt von Staub und Taubenscheiße. Divieto di accesso. Ein Schild drohte nach Paragraf soundso drei bis fünf Jahre Gefängnis an, wenn man den Zollbereich unerlaubt betrat.

Mein Leatherman-Tool knackte den Maschendraht in wenigen Augenblicken. Ich schlüpfte durch das Loch und eine weitere Minute später hatte ich beide Kennzeichenhalterungen von einem beschlagnahmten Auto abmontiert.

Die kamen an meinen Leihwagen. Nach dem Abendessen ging ich früh schlafen. Ich war echt kaputt!

Nach einem späten Frühstück besorgte ich mir für mein Smartphone eine italienische Prepaid Karte von Wind. Danach erstellte ich eine To-do-Liste. Mein erster Besuch galt Enricos Lieblingsbar. Wenn man in Neapel westwärts am Meer entlangfährt, erreicht man über die Via Napoli Pozzuoli in weniger als einer halben Stunde. Mit dem Navi-App auf meinem Smartphone war das alles kein Problem.

Die Bar gehörte zum Restaurant Michele und lag in der Nähe des Doms. Es war eine typische italienische Bar: eine riesige, glänzende, fauchende Espressomaschine, Spirituosen auf Regalen an der Rückwand, zwei Zapfhähne für Bier, großformatige Kalender mit Radrennmotiven und eine lange Theke. Hinter der standen zwei Männer, ein Älterer und ein Jüngerer, und polierten mechanisch Gläser, während sie sich ein Fußballspiel anschauten.

Die Gäste, mehrere Männer unterschiedlichen Alters, hielten Biergläser in den Händen und diskutierten die Spielzüge ihrer Lieblingsmannschaft.

Der Jüngere bemerkte mich. „Guten Tag, Signore. Was hätten Sie gern?“

Ich bestellte ein Achtel Weißwein.

Er bemerkte sofort meinen Akzent. „Woher kommen Sie, Signore?“

„Deutschland.“

„Ah! Germania ist kalt. Aber sauber und ordentlich. Die Polizei lässt sich nicht bestechen und die deutschen Autos sind die besten der Welt. Was machen Sie hier?“ Er schenkte mir den Wein ein.

Ich legte das Bild von Enrico auf den Tresen. „Ich suche Enrico. Wissen Sie, wo ich ihn finden kann?“

Ein kurzer Blick, der viel zu flüchtig war, um sich das Bild genau anzusehen. Mir war sofort klar, er kannte ihn.

„Ich muss meinen Vater fragen. Der kennt alle Gäste.“

Die beiden flüsterten einen Moment miteinander. Ich verstand nichts, weil sie zu leise redeten und außerdem der Dialekt in dieser Gegend für einen Tedesco wie mich unverständlich ist.

Der Vater kam. „Signore. Der ist, so glaube ich, schon ein- oder zweimal hier gewesen. Mehr wissen wir nicht.“ Danach polierte er seine Gläser weiter.

Ich trank den Wein aus und zahlte. Als ich hinausging und in mein Auto stieg, stand plötzlich der Sohn hinter mir. Er drückte mir einen Zettel in die Hand. „Rufen Sie dort an, Signore. Aber erzählen Sie keinem Fremden von mir.“

Bene, grazie!“

Ich fuhr los. Als ich in den Rückspiegel schaute, bemerkte ich, wie er etwas mit einem Kugelschreiber auf seinen Handrücken schrieb. Die Autonummer?

Unterwegs hielt ich an einer Pizzeria an und bestellte eine Pizza Mozzarella. Auf dem Zettel stand eine Handynummer. Ich rief sie an.

Eine Männerstimme antwortete: „Ich rufe zurück.“

Als ich einen doppelten Espresso trank, klingelte mein Handy. „Ja?“

„Sie haben mich angerufen. Was wollen Sie?“ Die Stimme klang ängstlich.

Ich erklärte ihm, dass ich Enrico im Auftrag seiner Tante suchte und man mir diese Telefonnummer gegeben hatte.

„Welcher Enrico? Und wer hat Ihnen die Telefonnummer gegeben?“

Die erste Frage beantwortete ich wahrheitsgemäß, bei der zweiten log ich. „Die habe ich von der Tante.“

„Das kann nicht sein“, war die Antwort und der Anrufer legte auf.

Ich wartete einen Augenblick und rief noch einmal an. „Legen Sie nicht auf“, bat ich. „Ich habe dem Informanten versprochen, seine Identität zu schützen. Das ist ein Grundsatz in unserem Gewerbe.“

„Wo sind Sie?“

Ich nannte ihm den Namen des Lokals.

„Bleiben Sie dort sitzen. Welches Auto fahren Sie und wie ist die Autonummer?“

Ich sagte es ihm.

Seine Antwort kam schnell. „Jetzt weiß ich, wer Ihnen meine Nummer gegeben hat. Er hat Ihnen ein Bier verkauft. Nicht wahr?“

„Nein. Ein Achtel Weißwein.“

Signore Tedesco. Bleiben Sie, wo Sie sind. Ich bin in einer halben Stunde bei Ihnen.“

Zwei Espressi später rauschte eine 250er Vespa auf den Parkplatz und hielt neben meinem Wagen. Ein junger Mann winkte und fuhr los. Ich lege einen Spurt hin, sprang in den FIAT und folgte ihm. Er lotste mich auf einen großen Parkplatz unten am Hafen und ließ mich hinten aufsteigen. Kaum saß ich, brauste er los, befuhr einen Fußgängerweg, umkurvte ein paar zutiefst erschrockene, schimpfende Spaziergänger, bog gegen die Fahrtrichtung in eine Einbahnstraße ein und schoss durch zwei Pfosten hindurch in eine Fußgängerzone. Die fluchenden Leute interessierten ihn nicht die Bohne.

Wir landeten auf einem kleinen Platz direkt von einem Café. Draußen saß niemand. Es war den Italienern einfach zu kühl. Ein gelangweilter Kellner schlenderte heran. Ich bestellte zwei Caffelatte.

Unser Gespräch war kurz, doch seine Informationen waren brisant. Er hieß Paolo und war Enricos Halbbruder. Enrico war einen Tag nach der Beerdigung seiner Großmutter verschwunden und man hatte ihn wissen lassen, dass er sich aus der ganzen Sache raushalten solle. Enrico sei wieder in Deutschland und er solle seinen Mund halten.

Ich wollte wissen, wer der junge Mann in der Bar war. „Wir waren Klassenkameraden“, sagte er zum Schluss, sprang auf die Vespa und zischte ab.

Danach probierte ich die Nummer, die mir Lucretia gegeben hatte. Eine Computerstimme teilte mir mit, dass der Teilnehmer zurzeit nicht erreichbar sei.

Am Abend rief ich Lucretia an. Sie hörte mir wortlos zu.

„Soll ich morgen bei seinem Großvater vorbeifahren?“, wollte ich wissen.

„Tu das.“ Mit diesen knappen Worten legte sie auf.

Ich änderte meine To-do-Liste. Bevor ich ins Bett ging, versuchte ich noch mehrfach den „besten Freund“ ans Telefon zu bekommen. Aber der Teilnehmer war nicht erreichbar.

Der nächste Morgen empfing mich mit Regen und einem unangenehmen Westwind. Ein Taxi brachte mich zur Questura di Napoli, dem Polizeipräsidium in der Via Medina. Es dauerte mehr als eine Stunde, bevor mich ein älterer, gestresst wirkender Commissario in sein Büro bat. Er machte mir ein Kompliment über mein gutes Italienisch, dann kam er gleich zur Sache. „Sie suchen jemanden, Signore?“

Als ich ihm das Bild von Enrico vorlegte, stutzte er, dann befragte er seinen Computer. Er drehte den Bildschirm in meine Richtung. „Haben wir den gleichen Gedanken?“

Enrico war tot. Man hatte vor etwas mehr als zwei Wochen zwei unbekleidete, männliche Leichen auf einer Mülldeponie außerhalb von Neapel gefunden. Beide waren durch einen Schuss ins Genick getötet worden. Alle Fingerspitzen hatte man fachmännisch verätzt und jegliche Hinweise darauf, wer die Toten waren, fehlten.

„Die haben der Camorra in die Suppe gespuckt“, erklärte der Commissario. „Und die hat beide auf die übliche Art und Weise bestraft.“

Ich gab ihm die Telefonnummer von Enricos bestem Freund. „Er antwortet nicht“, erklärte ich.

„Über die Nummer bekommen wir heraus, wer er war. Grazie!“, bedankte sich der müde Polizist.

„Wo sind die Toten?“, wollte ich wissen.

„Wir haben Spuren zum DNA-Abgleich gesichert. Die beiden Toten wurden verbrannt und in einem anonymen Urnengrab bestattet. Dort liegen schon Hunderte.“

Ich stand auf und hielt ihm die Hand hin, die er schüttelte. „Viel Erfolg bei der Arbeit, Commissario.“

Er lächelte gequält: „Die Leichen werden in einem Krematorium verbrannt, das der Camorra gehört. Und auch der Friedhof ist in ihrem Besitz. Sie machen noch Geld mit ihren Morden.“ Er zuckte mit den Schultern.

Polizist in Neapel zu sein, ist sicherlich ein absolut beschissener Job!

Am Nachmittag stand der Besuch bei Enricos Großvater, Arturo Marenzi, auf der Liste. Dessen Villa lag zwischen Weinbergen oberhalb von Pozzuoli, direkt am Fuß eines bewaldeten Hügels. Das Navi führte mich über kleine, schmale Straßen und später auf unbefestigten Wegen zu einem stattlichen Anwesen, das hinter hohen Mauern. Das große, schmiedeeiserne Tor war verschlossen. Langsam fuhr ich daran vorbei und erkannte, dass ich etwas besorgen musste. Das passende Geschäft hatte ich weiter unten gesehen und es dauert nur zwanzig Minuten, bis ich den Einkauf erledigt hatte und von der Straße in die Einfahrt einbog.

Der Punto kam vor dem Tor zu stehen und ich stieg aus. Wie aus dem Nichts erschien ein großer, fetter Mann, der einen riesigen Bierbauch vor sich herschob. Er trug die typischen Sachen eines Landarbeiters: blaue Arbeitshose, grobe Schnürschuhe, einen grauen, knielangen Kittel und eine flache Mütze mit Schirm.

Ich schaute an ihm vorbei zum Haus hinüber.

Vai a cacare!“, sagte er grob. Ich sollte mich verpissen.

Ich verpisse mich aber nicht gerne. So lächelte ich ihn an. „Entschuldigung, Signore“, meinte ich freundlich. „Ich hätte gerne Signore Marenzi gesprochen. Ich …“

„Ich habe gesagt, du sollst dich verpissen. Wenn du nicht sofort verschwindest, komme ich raus.“ Der Fette schien verärgert zu sein.

„Oh, Sie öffnen mir also das Tor. Das ist sehr nett von Ihnen.“

Er schien nicht auf den Kopf gefallen zu sein und verstand meinen Sarkasmus. Jetzt tat er das, was ich mir erhofft hatte. Er öffnete das Tor und kam zielstrebig auf mich zu. Seine Miene verriet nichts Gutes.

Für einen Kampfsportler sind große, dicke Gegner sehr unangenehm. Wichtige Punkte für einen Tritt oder Schlag sind von Fettschichten bedeckt, der Hals ist in der Regel fleischig und kurz und man kann einhundertfünfzig Kilo nicht so leicht mit einem Uki-goshi, einem Hüftwurf, zu Fall bringen. Aber die Fetten besitzen zwei Schwachstellen: ihre Knie. Die werden jahrzehntelang vom Körpergewicht belastet und sind in der Regel vorgeschädigt.

Als er in Reichweite kam, brachte ich beide Arme in Abwehrstellung, was er mit einem Grinsen quittierte. Als er zu einem Schwinger ausholte, trat ich zu.

Man darf nicht frontal gegen die Kniescheibe treten, das tut nur weh. Man muss unter oder seitlich gegen die Kniescheibe treten und zwar möglichst fest. Die Patella verlässt durch den Tritt augenblicklich ihren Stammplatz im Knie, was die Blutgefäße, Sehnen, Bänder und Menisken überhaupt nicht vertragen. Das Knie stellt daraufhin sofort seine Arbeit ein und beschwert sich bei seinem Besitzer durch einen ungeheuren Schmerz. Der fällt um, gelegentlich auch in Ohnmacht.

Der Fette kippt sofort um, er stöhnte, aber seine Sinne verließen ihn nicht. Er lag auf der Seite und griff unter seinen Kittel. Ich ahnte, was er hervorholen wollte: eine Lupara. Das ist eine abgesägte Pumpgun mit einem Revolvergriff, ungefähr unterarmlang und auf kurze Entfernung eine mörderische Waffe. Zur Abwechslung trat ich nun gegen seinen rechten Ellbogen, der das mit einem Knirschen quittierte und ebenfalls seine Arbeit einstellte. Ich bückte mich, zog die Lupara hervor, entlud sie, steckte die 10er Patronen in die Tasche und schleuderte die Waffe weit über den Zaun.

Der Fette lag da und stöhnte nun richtig laut. Aber er war nicht am Ende. Plötzlich pfiff er mit zwei Fingern seiner Linken und dann kam sein vierbeiniger Freund, ein Mastino Napoletano, herangestürmt. Ein massiger Kampfhund, fast so hoch wie eine Dogge und mit achtzig Kilo ähnlich schwer. Den hatte ich bei der ersten Vorbeifahrt gesehen und meine Hosentaschen steckten voller Würstchen. Scharf dressierte Mastinos sind eine tödliche Waffe, aber sie haben eine Charakterschwäche: Diese Hunde sind völlig verfressen.

Ich zog meine Glock 17, eine österreichische Pistole, aus dem Schulterholster und zwei Würstchen aus der Tasche. Das Biest kam auf mich zu, während ich still stehenblieb und ein Würstchen fallen ließ. Der Fette befahl etwas, aber der Hund reagierte nicht, weil ich, sein Opfer, schließlich nicht versuchte fortzulaufen. Ganz im Gegenteil. Ich blieb stehen und außerdem roch es so verführerisch nach Würstchen. Der Form halber knurrte er mich an: tief, rasselnd und drohend. Dann ging sein Kopf runter und er fraß sabbernd das Würstchen.

„Guter Hund“, sagte ich leise. „Du bist ein guter Hund.“

Ich ließ das zweite Würstchen fallen. Das verschwand mit einem dumpfen Schnapp. Das Ungeheuer schaute mich mit feuchten Augen an, während der Sabber aus seinem riesigen Maul triefte. „Guter Hund“, wiederholte ich und hielt ihm meine Hand hin. Er schnüffelte daran. Sie roch nach Würstchen. „Magst du noch eins?“

Er nickte mir zu. (Es sah wirklich so aus.).

Vorsichtig holte ich das nächste Würstchen aus der Tasche und hielt es ihm hin. Jetzt fraß er mir aus der Hand. Er setzte sich und starrte mich an. „Bitte noch ein Würstchen“, hieß das wohl.

„Komm!“, befahl ich und wedelte mit dem nächsten Leckerchen. Ich ging los und das Riesenvieh folgte mir. Wir waren gute Freunde geworden.

Ich konnte meine Glock vorläufig wieder einstecken.

Als ich die Haustür erreichte, öffnete sie sich wie von Geisterhand. Eine Frau mit Häubchen und Küchenschürze stand dort und blickte mich mehr verlegen als erschrocken an. Ich machte eine höfliche Verbeugung. „Signora. Ich würde gerne Signore Marenzi sprechen. Es geht um seinen Enkel. Um Enrico.“

Bevor ich das Haus betrat, drehte ich mich noch einmal zu dem Fetten um. Der zog sich gerade mit schmerzverzerrtem Gesicht an dem Eisentor hoch und schaute mir nach.

Sein Weltbild war urplötzlich ins Wanken geraten.

Signore Marenzi war dreiundachtzig. Er saß im Rollstuhl, eine dicke Decke lag ausgebreitet über seine Knie und unten schauten die Spitzen von Filzpantoffeln heraus. Seinen mageren Oberkörper verhüllten zwei Strickjacken und um seinen Hals war ein Wollschal geschlungen. Die Heizung stand auf gefühlte vierzig Grad. Nach zwei Minuten schwitzte ich wie ein Schwein.

„Es tut mir leid, dass ich Ihren Gärtner verletzt habe, aber er war dabei, seine Lupara gegen mich zu ziehen.“ Die 10er Patronen, gefüllt mit grobem Blei, klapperten auf den Tisch. „Ich wollte doch mit Ihnen nur über Enrico reden, Signore Marenzi.“

Seine Stimme klang wie grobes Schmirgelpapier und sein Mundgeruch war bestialisch. „Was wollen Sie von Enrico?“

Es blieb mir nichts anderes übrig, als von Lucretia und ihrem Auftrag zu erzählen. Und davon, was ich bei der Polizei herausgefunden hatte.

Hinter mir schluchzte die Haushälterin.

„Woher weiß ich, dass Sie nicht lügen?“

Ich zog mein Handy aus der Tasche, wählte Lucretias Nummer und reichte es ihm.

Der Alte schaute wie der Mann im Mond. „Mit solch einem neumodischen Ding habe ich noch nie telefoniert. Das kann man zu leicht abhören“, nuschelte er.

Er kannte sich erstaunlich gut damit aus.

Das Gespräch dauerte nicht lange. Ich verstand fast nichts, weil sie Neapolitanisch sprachen. „Lucretia will mit Ihnen reden.“ Er reichte mir mein Handy.

Lucretias Anweisungen waren knapp, aber eindeutig. Wer zahlt, schafft an.

Ich machte eine tiefe Verbeugung und verließ diese Sauna. Der Fette saß neben der Haustür auf einer Bank. Er war bleich im Gesicht, ihm stand der Schweiß auf der Stirn und man sah deutlich, wie er versuchte, seinen Schmerz zu unterdrücken. Vorsichtshalber zeigte ich ihm die Glock. „Ciao, Amico mio.

Er antwortete nicht, aber sein Blick sagte alles. Ich hatte mir einen Todfeind geschaffen. Der Hund lag friedlich auf dem Rasen und, als ich an ihm vorbeiging, warf ich ihm die restlichen Würstchen zu. Er freute sich sichtlich.

Ich fuhr zurück ins Hotel, stellte den Wagen in der Tiefgarage ab und montierte wieder die richtigen Nummernschildhalterungen. Die gestohlenen warf ich in einen Gully.

Der Mann von AVIS saß bereit in der Lobby. „Irgendwelche Probleme?“, wollte er wissen.

Es gab keine und er verschwand nach meiner Unterschrift.

Am nächsten Morgen stand ein Opel Astra mit Regensburger Kennzeichen in der Tiefgarage. Es war Enricos Auto. Ich musste es nach Deutschland überführen. Lucretia würde, so hatte sie mir am Tag zuvor mitgeteilt, mit dem Zug nach Hause fahren.

Ich packte meine Sachen, unterschrieb die Hotelrechnung, empfing den Brief mit den Papieren und dem Autoschlüssel, tankte voll und düste los in Richtung Germania. Rund eintausenddreihundert Kilometer lagen vor mir.

Der Astra war mit seinen einhundertfünf PS nicht gerade übermotorisiert, das Fahrwerk war schwammig und das Radio kaputt. Weil es Sonntagmorgen war, herrschte nur wenig Verkehr und so kam ich noch am gleichen Abend in Regensburg an.

Wie ausgemacht, brachte ich den Astra nach Burgweinting und stellte ihn in die Tiefgarage, auf den Stellplatz, der zu Nathalies Apartment gehörte. Ich klingelte, aber sie war nicht zuhause.

Ich rief ein Taxi und das brachte mich nach Harting.

Sicher werden Sie denken, dass die Geschichte jetzt zu Ende ist. Ist sie aber nicht!

Zwei Stunden später holte jemand Enricos Astra aus der Garage und stellte einen anderen Astra hinein. Der ähnelte dem ersten wie ein Ei dem anderen. Sogar die Nummernschilder waren gleich. Man nennt das im Polizeijargon eine „Doublette“. Der Fahrer fuhr zum Ristorante Caruso und parkte den Wagen in der dazugehörigen Tiefgarage.

Am frühen Morgen wurde ein Schild an der Eingangstür angebracht:

Heute wegen einer privaten Feier

geschlossen!

Kurz nach Mitternacht stürmten drei Einsatzgruppen der Polizei das Caruso. Ein Hubschrauber setzte einige Schwarzgekleidete auf dem Dach ab, die zweite Gruppe brach die Eingangstür auf und ein Spezialist der dritten Gruppe öffnete mit einem Elektropick das Rolltor der Tiefgarage.

Zwei Männer, beide Kellner des Ristorante, luden gerade Kilopäckchen mit Kokain aus dem Astra. Es dauerte nur wenige Sekunden und sie lagen gefesselt auf dem Boden. Die Tür zum Treppenhaus stand offen und die Polizisten hatten keine Probleme zu Lucretias Apartment zu gelangen. Die Tür wurde geknackt und fünf bis an die Zähne bewaffnete Polizisten drangen in die Wohnung ein. Lucretia saß am Tisch und wog das Rauschgift ab. Man fand Tütchen mit Milchpulver (zum Strecken), Portionsbeutelchen, mehr als zwei Komma drei Millionen in bar und ein Buch mit vielen Adressen. Mit sehr interessanten Adressen.

Während der ersten Vernehmung von Frau Trinci-Marenzi betrat ich den Vernehmungsraum. Empört zeigte sie auf mich. „Der da hat das Auto gefahren. Er hat das Rauschgift transportiert. Ihn müssen Sie festnehmen!“ Ihre Stimme überschlug sich vor Wut und ihre Hausberge bebten.

Ich nickte. „Stimmt. Aber ich möchte mich erst einmal vorstellen. Hauptkommissar Markus Gesstner vom Bayerischen Landeskriminalamt.“

Lucretia starrte mich konsterniert an. Damit hatte sie nicht gerechnet.

Sie, verehrter Leser, auch nicht. Oder?

Man hatte mich gezielt auf Lucretia angesetzt und ich hatte ganz bewusst in der Nähe des Caruso eine Privatdetektei eröffnet. Gundi war eine Kriminalbeamtin und der Freistaat Bayern freute sich über die zehntausend Euro Anzahlung. Die durfte ich leider nicht behalten.

Nathalie hatte mit der Sache nichts zu tun. Enrico hatte sie einfach benutzt, um den Schmuggel-Astra dort abzustellen, während er mit dem Zwilling umherfuhr. Das Mädchen traf das tief. Aber so ist eben das Leben.

Ich weiß jetzt, was Sie denken: „Der steigt mit einer Drogenhändlerin ins Bett.“

Nun, das gehört zu meinem Job und ich verrichte meine Arbeit stets mit vollem Einsatz. Bei jeder Gelegenheit und in jeder Lage.

Aber immer nur rein dienstlich!

ANMERKUNG.

Der Ort Puzzuoli liegt nur wenige Kilometer westlich von Neapel. Oberhalb des Ortes erstrecken sich Weinberge, in die kleine Dörfer und einzelne Gehöfte gebettet sind.

Die Villa der Familie Marenzi und das Restaurant Caruso existieren in Wirklichkeit nicht.

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