Südafrika im November 2019: Fahrt über den Sanipass (Teil 3)

Aktualisiert: Jan 4

C. Über den Sanipass nach Lesotho Am Tag nach der Ankunft im Faiways Drakensberg Resort machten wir uns auf, über den Sanipass nach Lesotho zu fahren. Es war der 13. November, mein Geburtstag.

(Bild: Google Maps)


Mit dem Wetter hatten wir Glück. Über den Bergen wölbte sich ein strahlend blauer Himmel, auf dem weiße Schäfchenwolken ihre Bahnen zogen. Das Thermometer zeigte um 09:00 Uhr 26 Grad und der Wetterbericht kündigte einen Wetterwechsel erst für die kommende Nacht an. Die auf Google Maps angezeigte Fahrtzeit für die rund 74 km sollte sich als viel zu optimistisch erweisen. Aber davon später.

Kurz nach Himville begann eine rund 15 km lange Baustelle; die Strecke bis vier Kilometer vor der südafrikanischen Grenzstation wird ausgebaut und durchgehend asphaltiert. Das hieß also Schleichfahrt über einspurige Baustellenwege voller Pfützen und Schlaglöcher. Der Verkehr wurde von Arbeitern, besser fast von ausschließlich von Arbeiterinnen geregelt, die den ganzen Tag dort standen und Autos anhielten oder weiterwinkten. Es muss ein höllischer Job sein, dort 10 Stunden zu verbringen und eine Flagge zu schwenken, egal, ob regnet oder 30 Grad herrschen.

Am Ende der Ausbaustrecke erhielten wir einen Vorgeschmack auf den vor uns liegenden Weg hoch zum Pass: Geröll bis Kopfgröße, tiefe Fahrspuren, die man umkurven musste, um sich nicht den Unterboden des Wagens aufzureißen, Pfützen mit braunen Wasser, von denen man nicht wusste, wie tief sie waren. Zum Glück war es trocken und die Reifen, wohlgemerkt KEINE grobstolligen Geländereifen, sondern welche mit Straßenprofil, packten relativ gut. Schon hier legten wir die Sperre ein, was bedeutete, maximal 30 km und nur im 1. oder 2. Gang zu fahren. Die Ausreiseformalitäten habe ich im Teil 2 schon beschrieben und bevor wir den Pass in Angriff nahmen, waren wir fast genau 2 Stunden für rund 50 km unterwegs. Südafrika grenzt sich nach Lesotho durch einen hohen Drahtzaun, oben besetzt mit Stacheldraht ab, um einen unkontrollierten Grenzübertritt von Flüchtlingen aus anderen afrikanischen Ländern zu verhindern. Der Pass ist nur bis 18:00 Uhr geöffnet. Wer nach 18:00 Uhr noch unterwegs ist, muss in seinem Auto vor dem geschlossenen Tor übernachten.

Die weißen Spitzen des Zauns sind deutlich zu erkennen.

Über diesen Bergrücken verläuft die Grenze. Die Flaggen gehören zur RSA.


Dann ging es los: permanenter Allradmodus und Sperre rein, maximal 15 km/h, zu 95 Prozent nur Schritttempo oder auch langsamer. Um es vorweg zu sagen, für die 22 km Passstrecke benötigten wir rauf genau zwei Stunden und runter eine Stunde.

Der Untergrund besteht aus Schotter mit losen Steinen bis Kohlkopfgröße, tiefen Spurrillen, Wasserdurchfahrten und massiven Felsblöcken, die man ganz vorsichtig umkurven oder überfahren muss. Man horchte ununterbrochen, ob der Wagen nicht irgendwo aufsitzt und manchmal musste der Beifahrer aussteigen, um den besten Weg zu weisen. Links begrenzten Felswände den Pass, rechts ging es teilweise mehrere hundert Meter hinab. Mit Steinschlag muss man immer rechnen und mehrfach kullerten kleinere Steine vor uns auf den Weg. Bei starkem Wind und schlechtem Wetter darf man den Pass nicht befahren. Zum einen kommt dann mehr Geröll runter, zum anderen wird der Boden rutschig und man kommt auch mit grobstolligen Reifen nicht weiter. Bei gelegentlichem Gegenverkehr verständigen sich die beiden Fahrer mit Handzeichen oder Lichthupe und einer muss gegebenenfalls rückwärts bis zu einer Ausweichbucht fahren, da der Weg für zwei Autos zu schmal ist. Professionelle Tourenanbieter befahren den Pass mit Land Rover Modellen oder Toyota Land Cruisern; Privatfahrer nutzen oft die in der RSA beliebten Pickups von Mitsubishi, Ford o. ä.


Auf halber Passhöhe (oben) und vor dem 2 bis 3 km langen Steilstück hinauf zur Passhöhe (unten).


Auf der Strecke gibt es nur drei oder vier Stellen, an denen man am Rand parken kann, um ein paar Aufnahmen zu machen. Hier der Ausblick von einer der größeren Parkbuchten und wir schauen hinab ins Tal.

Eine der ersten Haarnadelkurven. Steigung 25 Grad.


Das letzte Stück, zwei oder drei Kilometer mit bis zu 25 % Steigung, brachten unseren Nissan an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Vor dem Steilstück kann man in einer scharfen Kurve noch einmal anhalten, um die Piste zu überblicken. Einem vorausfahrenden Auto sollte man die Gelegenheit geben, mindestens zwei Kurven Vorsprung zu haben, um nicht aufzufahren und anhalten zu müssen. Hier hat der Bergverkehr Vorfahrt und der Fahrer des abwärtsfahrenden Wagens muss diesen irgendwo an die Felswand quetschen, damit der bergauf Fahrende nicht anhalten muss.

Die ersten Kurven haben wir geschafft.


In den Haarnadelkurven muss man Vollgas geben, damit der Wagen sich weiter vorwärts quält. Zweimal blieb unser Nissan trotz Vollgas einfach stehen und wir ließen ihn ein paar Meter rückwärts rollen, damit er wieder Grip bekam und Fahrt aufnehmen konnte. Es erwies sich dann als sinnvoll, die Automatik auf manuell zu stellen und nur im 1. Gang zu fahren, damit sie erst gar nicht in Versuchung kam, hochzuschalten.

Die letzten 300 m bis zur Passhöhe schien der Wagen nicht zu schaffen; schließlich waren wir fast 3.000 m hoch und da blieben in der dünnen Luft ein Menge PS auf der Strecke. Schließlich keuchte er doch noch die letzten Meter hoch und wir waren froh über das vorläufige Ende des Geschaukels und der Stöße, die alle Mitfahrer richtig durchgeschüttelt hatten.

Ein Blick runter auf die letzten Kurven vor der Passhöhe.


Ich stehe auf der Passhöhe. Von dort unten sind wir hergekommen. Man kann fast genau in der Mitte das helle Band der "Passtraße" erkennen.


Hinweis: Bei Youtube findet man unter "Sanipass" einige interessante Filme.


Übrigens: Direkt hinter Passhöhe, ab der Grenzkontrolle der "Lesotho Immigration", ist die Straße gut ausgebaut und asphaltiert. Man kann auf ihr das ganze Land durchqueren, wenn man zum Beispiel zum Krüger Nationalpark fahren will.

(Fortsetzung folgt.)

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